Youtube Video: Die Ausgrabungen im Vicus der Kapersburg (2026)

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Luftbild Ausgrabungen Kapersburg

hessenARCHÄOLOGIE

Ein Römerdorf wenige Zentimeter unter dem Waldboden

Seit 2024 untersucht die hessenARCHÄOLOGIE gemeinsam mit dem provinzialrömischen Seminar der Universität Frankfurt das Lagerdorf – den sogenannten Vicus – des Römerkastells Kapersburg im östlichen Taunus. Nur wenige Zentimeter unter dem Waldboden liegt hier die Geschichte der römischen Präsenz an der Grenze des Imperiums verborgen.

Über die Römer ist alles bekannt

Das Limeskastell Kapersburg gilt als eines der besterhaltenen und bekanntesten Kastelle des Obergermanisch-Raetischen Limes in Hessen. Über rund 150 Jahre war hier eine römische Auxiliareinheit, der Numerus Nidensium, stationiert, der gemäß seinem Namen aus dem heutigen Frankfurt-Heddernheim, dem antiken Nida stammte. Danach, in der Mitte des dritten Jahrhunderts, wurde das Kastell in der Folge des sogenannten „Limesfalls“ von den Römern verlassen; So erzählt es die Geschichtsschreibung und auch die frühesten Grabungen der Reichslimeskommission unter Louis Jacobi schienen diesen Ablauf zu bestätigen. Wer nun glaubt, über das Kastell sei damit alles bekannt, muss nur wenige Meter weiter in den Wald ziehen. Dort untersucht die hessenARCHÄOLOGIE das Lagerdorf des Kastells, den sogenannten Vicus. Während sich die archäologischen Untersuchungen in der Vergangenheit auf das Kastell konzentrierten, steht der Vicus erst mit den jüngsten Untersuchungen im Fokus und schon jetzt sind die neuen Erkenntnisse beachtlich.

Die Untersuchungen des Vicus haben auch in ihrem dritten Jahr wieder spannende Funde und Befunde zutage gebracht.

Durch die Lage der Kapersburg inmitten der bewaldeten Ausläufer des Taunus kann das Grabungsteam um Bezirksarchäologen und Limeskoordinator Dr. Kai Mückenberger und Grabungsleiter Manuel Pieper M.A. die hervorragend erhaltenen Strukturen bereits wenige Zentimeter unter dem Waldboden antreffen.

Bezirksarchäologe Dr. Kai Mückenberger

Wir haben hier Erhaltungsschichten, die sonst in Hessen ihresgleichen suchen, weil hier eben keine Landwirtschaft drüber gegangen ist. Der Wald hat alles über die letzten Jahrhunderte konserviert und für uns weitestgehend so erhalten, dass wir Schichten finden, die sonst immer weg sind.

Dr. Kai Mückenberger Limeskoordinator / Bezirksarchäologe

Glauben an der Grenze

Eines der Highlights der letzten Kampagne war der römische Weihestein, welcher inzwischen im Wehrturm-Museum in Rosbach vor der Höhe ausgestellt ist. Auch in diesem Jahr zählt ein neuster Einblick in die römische Glaubenswelt an der Grenze des Imperiums zu den wichtigsten neusten Erkenntnissen. SaalburgerÖffnet sich in einem neuen Fenster Archäologinnen des Grabungsteams konnte im Bereich des Vicus einen römischen Tempel entdeckt werden, welcher einst dem Kriegsgott Mars geweiht war. Neben den Gebäudestrukturen konnte die hessenARCHÄOLOGIE zwei weitere Weihesteine, eine Victoria-Statuette und Fragmente einer weiteren Statue, vermutlich der Kriegsgott Mars selbst, entdecken. Dank der engen Zusammenarbeit mit der Universität Frankfurt, insbesondere Prof. Dr. Markus Scholz, werden die Inschriften rWeihesteine bereits untersucht. Auch die Übersetzung des im vergangenen Jahr entdeckten Weihestein wurde durch Prof. Scholz erreicht.

Römische Präsenz vor und nach dem „Limesfall“

Im Bereich des Tempels wurde zudem eine spätantike Fibel und Fragmente handgemachter Keramik geborgen. Dies wäre der erste archäologische Beweis für die nachlimeszeitliche Nutzung des Areals, die gemäß den Funden bereits den in der Wetterau ansässigen Alamannen zuzuschreiben wäre. Ob es noch weitere Spuren gibt, die uns mehr über die späte Geschichte des Lagerdorfes verraten, bleibt abzuwarten.

Zur Geschichte des Vicus vor seiner Aufgabe konnten weitere spannende neue Erkenntnisse gewonnen werden. Zum einen wurden umfangreiche Überreste handwerklicher Tätigkeiten, darunter der Bereich einer Schmiede nachgewiesen. Planierschichten lassen darauf schließen, dass die Römer den Betrieb im Rahmen einer Neustrukturierung des Lagerdorfes einebneten und später durch eine Wohnbebauung ersetzen. Spuren der römischen Straßenführung sowie der Nachweis von Terassierungen erlauben zudem, die Struktur und Ausmaße des Lagerdorfes immer besser einschätzen zu können.

Über die Römer ist alles bekannt?

Für Mückenberger und sein Team hat das Lagerdorf noch längst nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Er hofft, die Untersuchungen der Fläche gemeinsam mit den Studierenden der Universität Frankfurt auch im folgenden Jahr fortsetzen zu können. Denn auch zwanzig Jahre nach der Ernennung des Limes zum Weltkulturerbe und über 125 Jahre nach der Untersuchung des Kastells durch Louis Jacobi und die Reichs-Limeskommission zeigen die aktuellen Ausgrabungen wieder einmal deutlich: Die Geschichtsschreibung zur Römischen Präsenz in Hessen ist noch lange nicht abgeschlossen.