Ein Haus als Ausstellung
Das Große Haus Glückert wurde 1901 nach Plänen von Joseph Maria Olbrich als Ausstellungs- und Verkaufshaus für den Hofmöbelfabrikanten Julius Glückert im Rahmen der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt errichtet. Anders als die benachbarten Künstlerhäuser diente es nicht als Wohnhaus, sondern als Präsentationsort moderner Wohn- und Raumkonzepte der Darmstädter Künstlerkolonie. In wechselnden Ausstellungen entstanden vollständig ausgestattete Innenräume, an deren Gestaltung neben Olbrich auch Albin Müller und Johann Christoph Gewin beteiligt waren. Das Gebäude steht exemplarisch für den Anspruch der Künstlerkolonie, Architektur, Innenraumgestaltung und Kunsthandwerk zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden.
Spuren unter den Farbschichten
Im Zuge der jüngsten Instandsetzung wurden nicht nur Dach, Fassaden und technische Ausstattung erneuert. Restauratorische Untersuchungen legten eine außergewöhnlich dichte Befundüberlieferung frei. Gemeinsam mit historischen Fotografien, Entwurfszeichnungen und archivalischen Quellen ermöglichten sie einen neuen Blick auf die Bau- und Ausstattungsgeschichte. Erstmals ließ sich die ursprüngliche Farbigkeit zahlreicher Raumfassungen sicher nachweisen und den unterschiedlichen Gestaltungsphasen des Hauses zuordnen.
Auf dieser Grundlage wurde das Maßnahmenkonzept in enger Abstimmung zwischen der Unteren Denkmalschutzbehörde der Wissenschaftsstadt Darmstadt, dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, den Restauratoren und dem Welterbe-Beirat weiterentwickelt. Ziel war es, die historische Aussagekraft des Hauses zu stärken und die verschiedenen Entwurfsebenen der Künstler wieder nachvollziehbar zu machen. Wo die Quellenlage eindeutig war, konnten historische Decken- und Raumfassungen rekonstruiert und teilweise sogar freigelegt werden. Dadurch erschließt sich heute erneut die gestalterische Vielfalt des Hauses, die über Jahrzehnte durch spätere Überfassungen weitgehend überdeckt worden war.