Sitzungssaal

Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Warum finden die immer noch Denkmale?

50 Jahre ist es her, dass sich die Arbeitsgruppe Inventarisation konstituierte – und damit ein organisierter fachlicher Austausch begann, der die Denkmalpflege in Deutschland bis heute prägt.

50 Jahre Arbeitsgruppe Inventarisation

50 Jahre ist es her, dass sich die Arbeitsgruppe Inventarisation konstituierte – und damit ein organisierter fachlicher Austausch begann, der die Denkmalpflege in Deutschland bis heute prägt. 1976 trafen sich erstmals Vertreterinnen und Vertreter der Bundesländer in der Katholischen Akademie in Hamburg. Im Mittelpunkt standen grundlegende Themen: die Eigenschaften von Fachleuten die in der Inventarisation tätig sind, deren Aufgaben und Methoden, die Entwicklung einheitlicher Bewertungsmaßstäbe sowie der Aufbau einer bundesweiten Denkmaltopographie. Das Treffen wurde zum Startschuss für eine enge und produktive Zusammenarbeit der Denkmalfachbehörden.

Zusammen ist besser als alleine

Dass diese Zusammenarbeit bis heute lebendig ist, zeigte die Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt. Der aktuelle Sprecher Martin Hahn und vier seiner Vorgängerinnen und Vorgänger blickten auf Erinnerungen und Errungenschaften aus ihren Amtszeiten zurück. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich das Arbeitsfeld im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat – und zugleich, wie konstant der Bedarf an Austausch geblieben ist. Es folgte ein Festvortrag von Dr. Karin Berkemann, Professorin an der Hochschule Anhalt in Dessau, zum Thema des Bewahrens. Eingeladen waren alle aktiven und ehemaligen Mitglieder der Arbeitsgruppe. Bereits vor Beginn der Veranstaltung erhielten alle Teilnehmenden eine exklusive Führung von Kurator Oliver Elser durch die neue Ausstellung des DAM „SUBURBIA. TRÄUME VOM EIGENHEIM – WEGE AUS DER WOHNUNGSKRISE“, die erst einen Tag später offiziell eröffnete.

Stimmen aus der Vergangenheit

Den Auftakt zur Jubiläumsveranstaltung im Auditorium des Deutschen Architekturmuseums bildeten Ausschnitte aus Tonbandaufnahmen der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe im Jahr 1976. Auf diesen ist die Stimme von Tilmann Breuer (1931–2022) zu hören, seinerzeit Abteilungsleiter der Inventarisation im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der die grundlegenden Aufgaben der Inventarisation beschreibt:

Es sind zwei prinzipiell verschiedene Aufgaben: Eine Aufgabe ist die flächendeckende Erfassung in möglichst kurzer Zeit. Die andere Aufgabe ist die durchgehende und durchdringende Durchleuchtung unserer Gegenstände.

Tilmann Breuer (1931–2022)

Das Arbeitsfeld der Inventarisation

Die Erfassung und Erforschung des Denkmalbestandes bilden eine unerlässliche Grundlage der Denkmalpflege. Gleichzeitig ist der Denkmalbegriff selbst kein statischer: Er wandelt sich kontinuierlich. Vor diesem Hintergrund entwickelt die Arbeitsgruppe nachvollziehbare Kriterien zur Bewertung historischer Substanz. Sie versteht sich als Forum für methodische Diskussionen und den fachlichen Gedankenaustausch. Zugleich beschäftigt sie sich mit den Chancen der Digitalisierung, mit Neuen Medien und mit der Frage, wie Denkmalwissen einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden kann.

Seit 50 Jahren tauschen sich die Denkmalfachämter der Länder darüber aus, was wann und warum ein Denkmal ist. Erfassungs- und Vermittlungsmethoden, Bewertungskriterien sowie die Beschäftigung mit unterschiedlichen Baugattungen und Zeitstellungen stehen dabei im Zentrum. Die Diskussionen sind vielfältig, oft kontrovers – und gerade deshalb produktiv.

Vielleicht liegt genau darin die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: Warum werden immer noch Denkmale „gefunden“? Weil sich der Blick auf Geschichte verändert. Weil neue Perspektiven entstehen. Und weil die Inventarisation kein abgeschlossener Prozess ist, sondern eine fortwährende Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe. 

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