Bürgermeister Marcus Dittrich, Grabungsleiter Dr. Thilo Warneke und Bezirksarchäologin Dr. Franka Schwellnus mit Presse

hessenARCHÄOLOGIE

Ein neues Puzzlestück für die Klostergeschichte Helmarshausens?

Über 500 Jahre lang prägte ein Benediktinerkloster das Bild des heutigen Bad Karlshafener Stadtteils Helmarshausen, ehe es im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation aufgegeben wurde. Ein weiteres Puzzleteil der Klostergeschichte könnten Archäologinnen und Archäologen nun unter einem nahen Platz an der Poststraße entdeckt haben.

Heute noch lässt sich der Grundriss der ehemaligen Klosterkirche in Helmarshausen (LK Kassel) im Boden ablesen und die letzten erhaltenen Bauwerke des Klosters werden als Jugendzentrum und Kindergarten genutzt. Die lange Tradition des Ortes und die Klostergeschichte waren für die zuständige Bezirksarchäologin Dr. Franka Schwellnus Anlass, bei der geplanten Erneuerung einer nahen Platzfläche an der Poststraße genauer hinzuschauen.

Die im Vorfeld der Baumaßnahme durchgeführten Ausgrabungen an dem bisherigen Parkplatz wurden durch ein Grabungsteam der Warneke Archäologie GmbH durchgeführt. Zuerst stieß das Team um Grabungsleiter Dr. Thilo Warneke auf die Überreste eines Hofes aus dem 19. Jahrhundert, bei welchem es sich nach historischen Quellen sowie Auskunft älterer Bürgerinnen und Bürger um den 1967 abgerissene Hille- bzw. Strutzke-Hof handelt. Bei der weiteren Freilegung der Mauerstrukturen auf dem Platz wurden die steinernen Fundamente zweier älterer Fachwerkhäuser freigelegt, die aus dem 16. Jahrhunderten stammen, wie historische Pläne nahelegen.

Als die Archäologinnen und Archäologen sich tiefer in den Untergrund vorarbeiteten, entdeckten sie schließlich mittelalterliche Mauerfundamente sowie einen Keller. Keramikscherben aus den dem Keller aufliegenden Erdschichten datieren auf das 12. bis 13. Jahrhundert, so dass der Keller noch älter sein muss. Wie Archivrecherchen von Dorothee Klein (Warneke Archäologie GmbH) ergaben, wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts einer der Meierhöfe verkauft, die das Kloster mit Lebensmitten versorgten. Die Größe des freigelegten Gebäudegrundrisses mit Keller sprechen ebenso wie die qualitätvolle Ausführung des Mauerwerkes und die zentrale Lage innerhalb von Helmarshausen für eine bedeutende Funktion dieses Gebäudes.

Möglicherweise konnten wir hier eben diesen Maierhof entdecken. Für eine genauere Einordnung des Kellers müssen die Grabungsergebnisse jedoch zunächst ausgewertet werden.

Dr. Franka Schwellnus Bezirksarchäologin

Der Keller selbst kann dank der flexiblen Planung der Stadt auch mit der Neugestaltung des Platzes im Erdreich erhalten bleiben. Schon bald wird über ihm einer der zehn Bäume des Platzes stehen.

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