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Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Denkmalpflege als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen

Beim Frühjahrsempfang am 27. Mai 2026 standen aktuelle Projekte und Herausforderungen unseres Hauses im Mittelpunkt. Die Beiträge spannten einen Bogen vom Gesamtkunstwerk des Wiesbadener Stadtschlosses über den Umgang mit modernen Friedhofsanlagen, Einblicken in die moderne Trassenarchäologie und stellten einen für die Bedeutung der regionalen Limesforschung wichtigen Fund vor.

Denkmalpflege als zukunftsweisende Haltung

In der Denkmalpflege gehe es nicht um Stillstand oder Musealisierung, sondern um einen intelligenten Umgang mit der gebauten Umwelt, betonte Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen in seiner Einführung. Statt Schäden durch Abriss zu beantworten, gelte es, Bestehendes weiterzudenken. „Reparatur ist keineswegs das Gegenteil von Zukunft. Vielleicht ist sie im Gegenteil die intelligenteste Form von Zukunftsgestaltung.“

Zugleich wandte sich Harzenetter gegen die häufige Kritik an der Denkmalpflege. Diese habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Städte und Dörfer ihre Identität, historische Tiefe und räumliche Qualität bewahrt hätten. Die hohe Lebensqualität vieler europäischer Städte beruhe gerade auf diesem Zusammenspiel von Geschichte, Vielfalt und Nutzung. Effektiver Denkmalschutz brauche Fachlichkeit, Kooperation und klare Verantwortlichkeiten: starke Denkmalbehörden, ein leistungsfähiges Landesamt, qualifizierte Architektinnen und Architekten sowie Handwerkerinnen und Handwerker mit traditionellen Kenntnissen. Ebenso seien politische Entscheidungsträger gefragt, die Denkmäler als Chance für die Stadtentwicklung begreifen.

Reparatur ist keineswegs das Gegenteil von Zukunft. Vielleicht ist sie im Gegenteil die intelligenteste Form von Zukunftsgestaltung.

Prof. Dr. Markus Harzenetter Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen
Schloss Biebrich

Moderne Friedhofsanlagen als Spiegel sich wandelnder Bedürfnisse

Mit seinem Werkstattbericht „Mors certa – hora incerta. Eine Annäherung an moderne Friedhofsanlagen in Hessen“ widmete sich Wenzel Bratner den Veränderungen von Begräbnisplätzen aus Sicht der Landschaftsarchitektur und der Gartendenkmalpflege. Im Fokus standen Friedhofsanlagen der 1980er- und 1990er-Jahre in Hessen, deren Gestaltung den Wandel von Bestattungsformen und Flächenbedarfen widerspiegele. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Gartendenkmalpflege und Inventarisation spiele bei der Identifikation möglicher Denkmalwerte eine zentrale Rolle.

Das Stadtschloss Wiesbaden als Raumkunstwerk

Elena Mittelfarwick stellte unter dem Titel „Reine Deko? – Die Malereien im Stadtschloss Wiesbaden“ die aufwendigen Dekorationsmalereien im Wiesbadener Stadtschloss vor. Das spätklassizistische Schloss, das zwischen 1835 und 1841 nach Plänen des Architekten Georg Moller errichtet wurde, gilt mit seiner erhaltenen Innenausstattung als herausragendes Gesamtkunstwerk. Besonderes Augenmerk galt den Arbeiten der Dekorationsmaler Ludwig und Friedrich Pose, deren vielschichtige Wand- und Deckenmalereien derzeit im Rahmen eines umfassenden Konservierungs- und Restaurierungskonzeptes untersucht und gesichert werden.

Was Energietrassen uns erzählen

Mit seinem Beitrag „Unter Strom – Trassenarchäologie in Hessen“ beleuchtete Lars Görze die Herausforderungen, die der Ausbau der Energieinfrastruktur für die Bodendenkmalpflege mit sich bringt. Während bislang vor allem Wind- und Solarparks die Archäologie beschäftigten, rückten zunehmend lineare Großprojekte wie Energietrassen in den Fokus. Angesichts zahlreicher geplanter Leitungsbauprojekte sehe sich die hessenARCHÄOLOGIE in den kommenden Jahren vor Aufgaben von bislang unbekanntem Ausmaß.

Von der Bedeutung eines römischen Weihesteins für die Regionalforschung

Die Grabungen am Kastell Kapersburg im Taunus haben – so berichtete Dr. Kai Mückenberger – in den vergangenen Jahren bedeutende Funde hervorgebracht. Ein besonderer Höhepunkt sei ein 2023 im ehemaligen Lagerdorf entdeckter römischer Weihestein, der bei den Fundamenten eines Tempels gefunden worden sei. Für Mückenberger zählt der Fund zu den Highlights der Forschung. Der dem Kriegsgott Mars geweihte Stein sei nun im Wehrturm-Museum in Rosbach v. d. Höhe ausgestellt. Mückenberger betonte die Bedeutung regionaler Präsentationen archäologischer Funde und hofft auf weitere Grabungen an der Kapersburg.

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