Aktuell wird die größere der beiden Urnen schichtweise von der Restauratorin Milena Temelkova-Grigorova freigelegt. Der Gefäßrand wurde durch den Pflug beschädigt und fehlt. Im Inneren des bauchigen Gefäßes zeigten sich bei der Röntgenuntersuchung vier rundliche Bronzeobjekte, nach denen bei der vorsichtigen weiteren Freilegung gesucht wurde. Das größte der vier Objekte, eine verzierte Eikopfnadel, konnte inzwischen freigelegt werden.
Bestatteten unsere Vorfahren in der vorangehenden Hügelgräberbronzezeit ihre Verstorbenen unter großen Grabhügeln, so ging man in der Urnenfelderzeit (1200-800 v. Chr.) zur Verbrennung der Toten und Beisetzung in flachen Urnengräberfriedhöfen über. Während sich diese aus Südosteuropa stammende Art der Brandbestattung in Südhessen rasch durchsetzte, wurden die neuen Jenseitsvorstellungen in Nordhessen zögerlicher angenommen. Auch in der frühen Eisenzeit blieb man den urnenfelderzeitlichen Traditionen noch länger treu.
Im nördlichen Umfeld der Fundstelle wurden bereits 1825 fünf Urnen mit Leichenbrand ausgegraben und erwähnt. Die nächste Meldung stammt aus dem Jahr 1907, als General Gustav Eisentraut als Vorsitzender des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde Ausgrabungen durchführte. Damals wurden an mindestens 34 Stellen Reste von Brandbestattungen und Befunde mit Gefäßen wohl aus der Spätbronzezeit (Urnenfelderzeit) und der Eisenzeit (Hallstattzeit) entdeckt. Die genauen Befunde sind wegen fast vollständig fehlender Unterlagen im Einzelnen unbekannt.
„Umso wichtiger ist es, dass wir durch die aktuellen Ausgrabungen nun erstmals Erkenntnisse zur Art und Anlage der Gräber erhalten“, erläutert die zuständige Bezirksarchäologin Dr. Eveline Saal von der hessenARCHÄOLOGIE.
Die aktuellen archäologischen Ausgrabungen belegen zusammen mit den überlieferten Altgrabungsdokumenten, dass die Werraauen nördlich von Unterrieden seit der späten Bronzezeit und der frühen Eisenzeit als Bestattungsplatz bevorzugt wurde. Eine möglicherweise zugehörige Siedlung wurde im Gewerbegebiet Unterrieden unter dem Baulager der SuedLink-Trasse entdeckt. Nachdem das Baulager vor Ort abgezogen sein wird, können die Siedlungsreste weiter freigelegt werden und geben dabei hoffentlich ihre Geheimnisse weiter preis. Insgesamt zeigen die Siedlungsstellen und die Bestattungsplätze in Unterrieden eine intensiv von Menschen genutzte und günstige Siedlungslandschaft am Lauf der Werra an.
Nach der Freilegung und Dokumentation in der Restaurierungswerkstatt werden die Fundstücke und Unterlagen mit den Fundobjekten aus den restlichen Gräbern wieder zusammengeführt. Danach kann sich eine wissenschaftliche Untersuchung des kleinen Gräberfeldbereichs anschließen.