Grundsätze der Instandsetzung
Grundsätzlich war es Hille und Horst Oltmer wichtig, die historische Substanz, wenn möglich zu erhalten oder nur zu ergänzen. Auch wurden vorhandene Materialien recycelt oder an anderer Stelle wiederverwendet. So wurden etwa die Dachflächen mit bauzeitlichen Ziegeln neu eingedeckt. Die historischen Fenster und Türen wurden instandgesetzt und Treppenanlagen sowie Fußböden aufgearbeitet. Wiederverwendeter Lehm kam als traditioneller Baustoff erneut zum Einsatz. Wo originale Bauteile fehlten, wurde behutsam auf der Grundlage bauhistorischer Befunde ergänzt. Hierzu wurden spezifische Holzprofile eigens angefertigt, um Türblätter, Zargen oder Geländerteile mit identischer Profilierung zu den erhaltenen Originalelementen herstellen zu können. Ebenso legten die Oltmers großen Wert auf die Natürlichkeit der verwendeten Materialien und so folgte die Materialwahl einem klaren ökologischen Leitgedanken: Holz, Lehm und Kalk bilden die Grundlage der Maßnahmen und unterstreichen den Anspruch einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Bauweise.
Was die Maßnahme besonders auszeichnet
Bemerkenswert ist die hohe Eigenleistung der Beteiligten. Unter der fachlichen Mitwirkung von handwerklich und restauratorisch qualifizierten Personen, konnten sämtliche Gewerke durch Mitwirkende der Projektgemeinschaft abgedeckt werden. In der Summe flossen mehrere tausend Stunden ehrenamtliche Arbeit in die Wiederherstellung des Hofensembles. Neben der klassischen Instandsetzung wurde auch experimentell gearbeitet: Ein eigenes Dämmsystem auf Basis von Blähton-Lehm-Gemischen in Holzschalungen entstand durch wiederholte Erprobung und stellt eine innovative Verbindung traditioneller Materialien mit zeitgemäßen bauphysikalischen Anforderungen dar.
Es geht noch weiter
Wer nun aber meint, das Projekt sei damit abgeschlossen gewesen, der liegt falsch: Neben der Hofanlage steht ein altes Fachwerkhaus, das bereits zum Abriss freigegeben war. Familie Oltmer kaufte es und bewahrte so das historische Haus von 1797 vor dem Verschwinden. Durch intensive Recherche stellt sich heraus, dass das Haus einst Wohnsitz des „Greben“ war, eines Dorfvorstehers – vergleichbar mit dem heutigen Amt des Bürgermeisters. Entsprechend repräsentativ war es ausgestattet, mit Lehmstuckdecke, Goldtapete und marmorimitierenden Malereien. Im Zuge der Sicherungs- und Aufräumarbeiten wurde das sogenannte „Grebezimmer“ entdeckt. Die Amtsstube wies qualitätvolle Stuckarbeiten, barocke Farbfassungen sowie originale Boden- und Fensterelemente auf und konnte nahezu vollständig wiederhergestellt werden. Das Dach des Gebäudes wurde mit wiederverwendeten Ziegeln und traditionellen Strohdocken neu gedeckt, womit eine weitere historische Handwerkstechnik zur Anwendung kam. Ebenfalls ist bei ersten Sanierungsarbeiten Kratzputz gefunden worden. Seit 2016 gilt Hessischer Kratzputz als immaterielles Kulturerbe.
Zur gesellschaftspolitischen Bedeutung der Maßnahme
Das Projekt verbindet denkmalpflegerische Präzision mit sozialräumlicher Funktionalität. Der Projekthof in Mühlhausen steht exemplarisch für eine Form der Denkmalpflege, die handwerkliche Exzellenz, ökologische Materialethik und bürgerschaftliches Engagement in einem integrativen Ansatz vereint und historische Bausubstanz als aktiven Bestandteil gegenwärtiger Lebenswelten begreift.
Ist Ihr Interesse geweckt? Die Oltmers laden Interessierte herzlich dazu ein, die Hofanlage und das Grebezimmer zu besichtigen.